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Hallo Rolf,
eine Feder mit auf ganzer Länge gleichmäßig engerer Wicklung ist keine progressive Feder, sondern schlicht eine Feder mit insgesamt anderer, aber auf ganzer Länge gleicher Federrate!!!!!
Eine progressive Feder (oder progressiv gewickelte Feder, oder Feder mit progressiver Charakteristik) ist dadurch gekennzeichnet, daß sich ihre Federrate (wegen mir auch Federhärte oder sonstwie genannt) über die Länge von weich nach hart ändert - wobei 'weich' und 'hart' durch die Anfangs- und die End-Federrate der jeweiligen Feder bestimmt werden. Die sich längs der Feder ändernde Federrate könnte durch (a) eine variierende Drahtdicke, (b) einen sich ändernden Windungsdurchmesser, (c) eine sich ändernde Windungssteigung erreicht werden - (a) ist physikalisch denkbar, jedoch technisch jenseits von Gut und Böse, (b) wird angewendet, jedoch nicht bei so simplen Federungen wie bei unserer XS, (c) ist die übliche Ausführung, und so sind auch die Originalfedern der XS1100-Telegabel ausgeführt. Über 'abschaltbare' Federelemente, wie bei der FJR, und andere Spezialitäten braucht man sich keine Gedanken zu machen, da in der XS1100-Welt nicht vorkommend.
Eine linear gewickelte Feder, ganz egal, ob gleichmäßig weit oder gleichmäßig eng, hat - wie bereits erwähnt - über den gesamten Federweg (bei der XS1100 habe ich da irgendwas von 125mm für die Vorderradfederung im Gedächtnis) eine gleichbleibende Federrate, also solange der Anschlag nicht erreicht ist, ergeben Belastungserhöhungen von z.B. jeweils 15kg zu Beginn des (Ein-) Federwegs die gleiche zusätzliche Eintauchtiefe wie gegen Ende des Federwegs. Um nicht noch mehr Verwirrung zu stiften, spreche ich hier von der Gewichtsbelastung, aber selbstverständlich ist die Federrate über das Kraft-Weg-Verhältnis definiert, wird also z.B. in N/m gemessen oder angegeben. Statt 'Federrate' wird auch der Begriff 'Federkonstante' verwendet - hört sich bloß ein bißchen blöd an, wenn sie garnicht konstant ist.
Bei einer progressiven oder progressiv gewickelten Feder, wie bei den XS1100-Originalfedern oder den WIRTH-Federn in der EGLI-Gabel meiner XS, ist das enger gewickelte Ende der Feder aufgrund der geringeren Windungssteigung das 'weichere' Ende. Beim Eintauchen der Gabel legen sich die engen Windungen aufeinander und die weiter gewickelten Windungen (mit der größeren Steigung) werden wirksam und die Federrate erhöht sich, die Feder wird 'härter' oder 'straffer' - und so weiter bis zum Ende des verfügbaren Federwegs. Die Federrate oder Federhärte nimmt also über den Einfederweg zu, die Feder hat somit eine progressive Charakteristik.
Nun wundert es mich auch nicht mehr, daß (auch schon im alten Forum) immer mal wieder Unzufriedenheit über neu eingesetzte progressive Federn geäußert wurde - wenn man die Feder nur so nennt, aber tatsächlich gar keine progressive Feder verwendet ...! Eigentlich hatte ich mir eingebildet, das in anderen Beiträgen in Kurzform schon mal verständlich erklärt zu haben, aber ganz offensichtlich ist mir das Erklärungstalent völlig abhanden gekommen.
Mit Deinem Bild der XS-Federn hatte ich gedacht, den Begriff 'progressiv' dem einen oder anderen Nichttechniker etwas näher bringen zu können, aber ich hätte doch nicht auf dieses Bild anspringen sollen, denn im Prinzip gehört das ja alles nicht hier her.
Nochmal meine Hochachtung zu Deinem Bildbericht der Gabelrevision. Der ist wirklich große Klasse und wird auch einigen nicht so versierten Schraubern weiterhelfen.
Gruß, Peter
P.S. Ich weiß, was Du mit 'Vorspannschrauben' meinst, aber ich bin nun halt mal pingelig, stur und rechthaberisch - wäre 'Stellschrauben' nicht auch ganz schön?
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